Bauformen

Wir unterscheiden zwei grundlegende Bauformen von Rohrblattinstrumenten, zum einen jene mit zylindrischer und andere mit konischer Innenbohrung. Zylindrische Instrumente klingen eine
Oktave tiefer als konische Pfeifen bei gleicher Länge.

Pfeifen mit zylindrischer Bohrung
Diese Form gibt es bei Bockpfeifen, Hümmelchen, Dudey und jeder anderen Art von Smallpipes. Sie unterteilen sich auch noch nach den benutzten Tongeneratoren, den aufschlagenden Zungen oder den Doppelrohrblättern.Mundgeblasene aufschlagende Zungen sind relativ selten geworden. Sicherlich liegt es überwiegend an stimmtechnischen Problemen.

Aufschlagende Zungen aus Arundo Donax (span. Schilfrohrart) haben eine relativ große Schwingungslänge im Verhältnis zur Größe des Blattes (Volumen, Masse), und sind somit sehr anfällig bei Feuchtigkeitsaufnahme. Vom Blatt aufgesogenes Wasser aus kondensierter Atemluft verändert die Masse, das Blatt wird schwerer und somit verringrt sich die Eigenfrequenz. Das Resultat : Die Stimmung sinkt ab. Der selbe Vorgang findet statt, spielt man einen Bock bei hoher Luftfeuchtigkeit.
Mundgeblasene aufschlagende Zungen sollten einen Sack aus Tierhaut haben und ständig feucht gehalten werden. Eine Sackpfeife dieser Art ist die Gaida, ein bulgarischer Dudelsack.
Meiner Kenntnis nach ist es auch noch nicht gelungen, Zungenblätter gegen Feuchtigkeit zu imprägnieren. Die Blätter werden nur unnötig schwer (s. o.) und wer schon mal Böcke gebaut hat weiß, daß man Mühe hat, mit diesen Tongeneratoren die neun erreichbaren Töne zu erreichen. Stimmen die hohen Töne, versagt die Unterquarte, spricht der tiefste Ton gut an, sind die hohen sch … .

Zylindrisch gebohrte Pfeifen mit Doppelrohrblättern sind ebenfalls auf neun Töne beschränkt, falls der Tonumfang nicht durch Klappen erweitert wurde. Hier ist es auch möglich, chromatische Pfeifen herzustellen. Allerdings müssen die Tonlöcher recht klein gehalten werden, damit sie mittels Gabelgriffe aufeinander reagieren. Der Nachteil ist ein höherer Ziehbereich insbesondere bei hohen und grifftechnisch versetzten Tonlöchern. Allerdings zeichnen sich diese Instrumente durch einen warmen, nasalen und sehr mischfähigen Klang aus.

Pfeifen mit konischer Bohrung unterteilt man anhand ihrer verschiedenen Konen :

Konus Instrument
1 : 20 Great Highland Bagpipe, mittelalterliche Marktsackpfeifen
1 : 25 ... 30 Zinken
1 : 30 ... 35 Schäferpfeifen, französische Dudelsäcke
1 : 40 ... 45 Oboe, Uilleann Pipes
1 : 50 ... 65 Dulziane (Sopran bis Bass), Uilleann Flatpipes
1 : 70 Fagott

Konus 1 : 20 … alle 20 mm erweitert sich ein Durchmesser um 1 mm.

Die angegebenen Konen sind ca. – Werte und können somit nur Richtlinien sein. Die von den Instrumentenbauern benutzten Konen richten Sich hauptsächlich nach den ihnen zur Verfügung stehenden Räumwerkzeugen und der jeweiligen Erfahrung. Zur Great Highland Bagpipe möchte ich nichts schreiben, das machen genug andere Experten.

Zur mittelalterlichen Marktsackpfeife:
Sie ist ein Instrument, welches man der Lautstärke wegen im Freien verwenden sollte. Das heißt aber nicht, daß das Spielen in geschlossenen Räumen keinen Spaß macht ! Für die Lautstärke ist hauptsächlich der steil ansteigende Konus der Spielpfeife verantwortlich. Durch den Konus bedingte verhältnismäßig große Tonlöcher haben allerdings den Nachteil, daß sie sich schlecht gegenseitig beeinflussen lassen. Dies wäre aber für die Erzeugung chromatischer Töne notwendig.

  • Instrumente in tiefer Lage lassen sich durch Gabelgriffe schlechter (bis gar nicht) chromatisch beeinflussen als Instrumente in höheren Lagen !

Mittelalterliche Sackpfeifen – Böse Zungen behaupten, diese mittelalterliche Sackpfeife wäre von der GHP abgekupfert. Noch bösere meinen, es wären Matcho – oder gar Ossisäcke. Jedenfalls ist die Entwicklung dieser Sackpfeifenform nach langem wieder einmal ein Lichtblick im Dornröschenschlaf des von Yamaha & Co. beherrschten Musikinstrumentenmarktes. Ich baue diese Sackpfeife nach keinen historischen Vorlagen, Ähnlichkeiten wären rein zufällig und nicht beabsichtigt. Seit ewigen Zeiten haben Dudelsäcke eine Spielpfeife und einen bis … Bordun(e).

Laute Rohrblattinstrumente brauchen …

  • einen angemessenen Raum (Konus) zur Schallausbreitung,
  • als Erreger ein entsprechend kräftiges Rohrblatt,
  • der Innenbohrung entsprechend große Tonlöcher.

Man sollte die Finger von Instrumenten lassen, die nur kräftige, zum eigentlichen Instrument unpassende Rohrblätter haben, um gewünschte Lautstärken zu erziehlen.

Schäferpfeifen, französische Dudelsäcke haben eine sich erweiternde Innenbohrung ab 1 : 30. Spielpfeifen dieser Gattung lassen sich schon geziehlt überblasen, wobei die Möglichkeit zu überblasen mit fallendem Konus zunimmt. Aufgrund der halbgeschlossenen französischen Griffweise und einem zweiten Daumenloch lassen sich diese Instrumente zur eigentlichen Skala, bis hin zur überblasenen Duodezime (1 1/2 Oktaven) teilweise chromatisch erweitern. Die Luftversorgung ist wahlweise über Blasrohr oder Blasebalg möglich. Die Lautstärke dieser Dudelsäcke ist angenehm und sehr gut mischfähig mit etwas lauteren Musikinstrumenten.

Uilleannpipes – die Königin aller Sackpfeifen mit einem Konus über 1 : 40. Sie hat einen Tonumfang von 2 Oktaven und besitzt für die gebrauchten chromatischen Töne Klappen (naturel c’’ ausgenommen). Sicherlich ist diese Art der Erzeugung von Halbtönen die sicherste. Die UP ist ein balgbetriebener Dudelsack, im Fullset mit drei Bordune und Regulatoren jeweils Bass, Bariton und Tenor.