Rohrblätter

Hier möchte ich nur auf Doppelrohrblätter eingehen. Die Materialien sind Arundo Donax (eine in Südfrankreich und Spanien wachsende Schilfart) oder Kunststoff (in der Regel in Form von Joghurtbechern). Passende Rohrblätter für die jeweiligen Spielpfeifen zu bauen, braucht viel Übung und Erfahrung. Bei diesem Problem gibt es wieder bestimmte Verhältnisse :

Man betrachte den Konus einer Pfeife und an welcher Stelle er “abgeschnitten” wurde, d. h. oberer Bohrungsdurchmesser
(am Rohrblatt) x Konus = fiktive Spitze. Die fiktive Spitze sollte nicht mehr als 1/3 der Gesamtlänge der Pfeife betragen.
Nun zum Rohrblatt :

  • “Schneidet” man den Konus werter unten (Richtung Becher) ab, braucht man ein breites Rohrblatt.
  • “Schneidet” man weiter oben ab, braucht man ein schmales Rohrblatt.

Der Eigenton des Rohrblattes ist höher als der höchste Ton der Grundskala. Mann sollte beachten, daß Rohrblätter aus Kunststoff schmaler als A. Donax – Rohre bei Verwendung der gleichen Pfeife sind.
Weitere, die Stimmung beeinflussende Größen sind :

Lippenspalt

  • schmal; der Ton wird höher bei fallendem Blasdruck
  • weit; tiefer und rauher Ton bei steigendem Blasdruck

Rohrlänge

  • lang; Eigenton tiefer, Blatt muß schmaler werden
  • kurz; Eigenton höher, Blatt breiter

Schwingungslänge
(Blattspitze bis Zwinge)

  • kurz; Rohrblatt für hohe Instrumente
  • lang; Rohrblatt für tiefe Instrumente

Mundgeblasene Dudelsäcke mit A. Donaxrohrblätter müssen eingespielt werden, um dem Instrument die Wärme und Grundfeuchte, die Voraussetzung für eine konstante Stimmung ist, zu geben. Langes Spiel bei hoher Luftfeuchte senkt die Stimmung ab, man muß entweder das Rohrblatt wechseln oder den Blattvorsprung (Blattspitze bis Zapfen der Spielpfeife) korrigieren. Öfterer Instrumentenwechsel während eines Auftritts sind schlechter möglich. Um diesen Gesetzmäßigkeiten entgegen zu wirken, können Blasrohr durch Blasebalg ersetzt werden. Bei den Sackpfeifen, wo das nicht möglich ist, sind Rohrblätter aus Kunststoff eine Alternative. Es gibt sie für fast alle mundgeblasenen Dudelsacktypen. Sie unterscheiden sich nur in klanglichen Nuancen von ihren schilfblättrigen Brüdern und Schwestern.